Geschichte

AhnenbildEine Familiengeschichte
150 Jahre Familie May – eine Geschichte von Hessen bis Berlin-Karow
Hessen ist ein schönes Land und schon seit weit über zweitausend Jahre besiedelt. In einer aktuellen Studie von 2016 war über das Lebensgefühl Hessischer Bürger zu lesen: »Die Menschen fühlen sich wohl und sehen ihre wirtschaftliche Lage positiv«.
Anfang 1800 hätte sich wohl kaum ein Hesse derart positiv geäußert. In den kalten und nassen Sommern der Kleinen Eiszeit verfaulten Getreide und Kartoffeln auf den Äckern. Den Missernten folgten Hungerkrisen und Armut.  Zudem marschierte Napoleon siegessicher mit seinen hungrigen Truppen quer durch Europa bis vor die Tore Moskaus. Im kalten Winter 1812 starben etwa eine Million Menschen vor den Toren der brennenden Stadt, während ihr Feldherr in einer Kutsche eilends gen Westen floh. 
1819 wurde Heinrich May in der Hessischen Kleinstadt Alsfeld geboren. Auch hier gab es ein Schloss und eine Burg, aber kaum Brot oder Kartoffeln.

Trotz aller Nöte sorgten Heinrichs Eltern für eine gute berufliche Ausbildung ihres Sohnes. Der junge Mann war der erste seiner Familie, dem ein bescheidener Schritt in die  bürgerliche Gesellschaft gelungen ist. Er wurde Handwerker und Steuerzahler.
Doch wer brauchte in Notzeiten die Arbeit eines Kunstschlossers? Als er trotz allen Fleißes in Alsdorf  nicht mehr satt wurde, packte er seinen Beutel, verließ die kleine Stadt und hoffte, in der Preußischen Hauptstadt sein Auskommen zu finden.
Heinrich May lernte ein Mädchen aus Müncheberg kennen. Die beiden heirateten und zogen als Untermieter in ein Hinterhaus des damaligen Dorfes Hohenschönhausen. An Wintertagen wärmten sich die Eltern mit ihren vier Kindern am Kachelofen, zündeten am Abend die Petroleumlampe an und wenn sie mal »mussten«, eilten sie auf das Gemeinschaftsklo im Hinterhof…

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Mod HelmyEin Arzt mit besonderem Mut
Der ägyptische Bucher Arzt Mod Helmy rettete jüdische Menschen vor der Gestapo
Es gibt sie, die Menschen, die auch in schwierigen Situationen und Lebensumständen nicht der Mut verlässt, die Dinge zu tun, von denen sie überzeugt sind, dass sie richtig sind. Einer von ihnen war der ägyptische Arzt Mod Helmy. Er riskierte sein Leben, um Juden vor den Nazis zu retten. 2013 wurde er als erster Araber als »Gerechter unter den Völkern« von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem anerkannt. Welch eine wunderbare Geschichte, die der israelische Autor Igal Avidan da entdeckt und umfassend recherchiert hat! Sein kürzlich erschienenes Buch »Mod Helmy« könnte helfen, Juden und Muslime miteinander ins Gespräch zu bringen.
Wer war Mod Helmy? Wie konnte er sich zum einen mit dem System arrangieren und andererseits zum Menschenretter werden? Und schließlich –  welchen Bezug gibt es zu Berlin-Buch? Mohamed Helmy kam 1922 von Ägypten nach Deutschland. Ihn hatte ein Medizin-Studium nach Berlin gelockt. Nichts Ungewöhnliches in der Weimarer Republik. Insgesamt 150 Ägypter studierten 1925 in Berlin. Die meisten von ihnen – so auch Mohamed Helmy, der sich bald Mod nannte – kamen aus wohlhabenden Familien. Zudem war Deutschland nicht als Besatzungsmacht verpönt und die Universitäten hatten einen guten Ruf.
Mod wird Arzt. Ihm gefällt es in Berlin und er steht am Anfang einer Kliniklaufbahn, als die Nazis an die Macht kommen. Ihm wird es gelingen, die nächsten Jahre  in seiner eigenen Praxis und als Vertretungsarzt tätig zu sein. Und nicht nur das. Er bleibt auch seinem Eid treu, »die Pflichten des ärztlichen Standes gegenüber den meine Hilfe Heischenden in humaner Gesinnung treu und gewissenhaft zu erfüllen«. Viele andere haben das nicht getan.
Zu seinen Patienten gehörte auch seit 1936 eine Familie  – Großmutter, Mutter und Tochter, nicht praktizierende Juden aus Rumänien, für die er nicht nur Arzt sondern auch Vertrauter und Ratgeber war. 1942 hilft er, die Großmutter bei einer seiner Patienten zu verstecken. Die 17-jährige Tochter Anna Boros gibt er als seine Nichte aus, die ihm als Assistentin der Praxis in Moabit zur Hand geht. Um die Legende perfekter zu machen, arrangiert der unerschrockene Mann eine fingierte islamische Heirat mit einem ägyptischen Freund, nachdem Anna zum Islam konvertiert war. Doch der Auszug nach Ägypten gelingt ihr wegen fehlender Papiere nicht. Mod Helmy war ein intelligenter Mann, der sich auf jede neue Situation ganz nüchtern und pragmatisch einstellen konnte. Auch, als er aus außenpolitischen Gründen zweimal für mehrere Wochen in Haft kam, änderte das nichts daran, dass er zwar Hitler einen loyalen Brief schreibt, aber andererseits die Rettung seiner Patienten weiter verfolgt. Sein Mut verlässt ihn nicht. Er ist ein guter Netzwerker, stellt lebensrettende Atteste aus, besorgt Medikamente und Essen und kümmert sich um Anna Boros Schutz…
Foto: AdSD/Friedrich Ebert Stiftung

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