Geschichte

Stolpersteine FriedlaenderStolpersteine zum Erinnern
Tausende der kleinen Mahnmale entstanden auf dem Bucher Künstlerhof
Frostig war der Tag im vergangenen November. Nach dem letzten Hammerschlag erfasste ein prüfender Blick die winzige Baustelle auf dem Fußweg. Nach nur wenigen Minuten hatte der Künstler Gunter Demnig einen neuen »Stolperstein« verlegt und ich war zum ersten Mal dabei. Diesem Ritual schloss sich eine kurze Gedenkfeier der 20 Teilnehmer an.
Diesmal liegt das kleine Denkmal vor dem Haus Nr. 2 am Pastor-Niemöller-Platz in Pankow und erinnert an Wilhelm Alexander (Alex) Königswerther, der hier 40 Jahre lang gewohnt hat. Der Siemens-Direktor und Spezialist für angewandte Elektrizität wurde wegen seiner jüdischen Herkunft am 30. Juni 1933 nach 27 erfolgreichen Dienstjahren beim AEG-Konzern »in den Ruhestand versetzt«. Da war er 56 Jahre alt.

Unzählige Verbote, Demütigungen, Verfolgungen, Bedrohungen und Bespitzelungen, die danach folgten, waren für den einst geachteten Berliner Bürger nicht auszuhalten. Er entzog sich am 24. August 1942 diesen Qualen und flüchtete mit einer Überdosis Schlaftabletten in den Tod.
Dass die Erfolgsgeschichte der »Stolpersteine« auf dem Bucher Künstlerhof mitgeschrieben wurde, ist eine wenig bekannte Tatsache. Rund 30.000 Exemplare des größten dezentralen Mahnmals der Welt entstanden zwischen 2006 und 2011 auf dem Gelände des ehemaligen Stadtgutes unter den geschickten Händen eines kleinen Teams um den Metallplastiker und Bildhauer Michael Friedrichs- Friedlaender. Danach verließen sie die Werkstatt im alten Tierstall und arbeiten seitdem in Französisch-Buchholz an der Herstellung der »Stolpersteine…

Ausführlicher in unserer Printausgabe


Ehrengrab für Adolf Wermuth?
Der frühere Berliner Oberbürgermeister Adolf Wermuth (1855 - 1923) liegt auf dem Bucher Kirchfriedhof begraben. Er hat viel getan für Berlins Entwicklung zur bedeutenden Metropole, insbesondere die Eingemein- dung des Umlands zu Groß-Berlin ist mit seinem Bemühen eng verknüpft. Das Wissen um seine Leistungen ist allerdings verloren gegangen. Sein Name steht nicht einmal auf der Liste der Ehrengräber der Stadt Berlin.
Buchs evang. Pfarrerin Cornelia Reuter reichte bereits 2004 und 2009 Anträge für ein Ehrengrab für Berlins einstigen Stadtvater beim Berliner Senat ein. »Wermuth sei zu unbekannt, war der ablehnende Tenor«, berichtet die Pfarrerin. Im Januar dieses Jahres hat sie einen erneuten Vorstoß unternommen und endlich offene Ohren gefunden. Der Antrag werde gern geprüft. Zum Bekannterwerden Wermuths hat wohl auch ein langer Artikel im Tagesspiegel beigetragen, der im Januar veröffentlicht wurde. Zudem steht 2020 die 100-Jahr-Feier Groß-Berlins an. Gute Zeit für das Erinnern – und vielleicht auch für ein neues Ehrengrab.