Geschichte
Die eigene Anständigkeit bewahren
In der Bucher Akademie der Gesundheit wurde der Opfer der Euthanasie gedacht
Buch ist Tatort. In den Jahren 1935 bis 1942 gab es in den Krankenanstalten ein Zunahme der Todesfälle von etwa 8.000 Patienten. Außerdem sind im Rahmen der »Euthanasie-Aktion T 4« ab 1940 etwa 3.000 Bucher Patienten in entfernte Tötungsanstalten transportiert und dort in Gaskammern oder durch Medikamente und Essensentzug umgebracht worden. All das fand die 2020 verstorbene Bucherin Rosemarie Pumb heraus, die in den 2000ern jahrelang in Archiven gesessen und u. a. zehntausende Sterbeurkunden und Krankenakten gewälzt hat, um zu dokumentieren, was in der Heil- und Pflegeanstalt Buch in der Zeit des Nationalsozialismus geschah – und wie die Nachwelt mit ihrem düsteren Erbe umging.
(…)
»Ergab die Summierung von Alter, Diagnose und künftiger Brauchbarkeit ein Minus, wurde das Leben der Selektierten durch Mangelversorgung und diskrete Medikamentengaben beendet«, so Rosemarie Pumb in einem früheren »BB«-Artikel. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die damalige Irrenanstalt aus »kriegswichtigen Gründen« aufgelöst, die Patienten in Tötungseinrichtungen verlegt.
Rosemarie Pumb brach das jahrzehntelange Schweigen in Buch. Gemeinsam mit anderen engagierten Buchern, Studenten und Künstlern machte es sich der »Runde Tisch Geschichte« in Buch zur Aufgabe, dem weitgehend vergessenen Schicksal dieser Menschen nachzuspüren. Unter ihnen war auch die frühere Anästhesistin Dr. Hannelore Dege aus Buch. Sie und Rosemarie Pumb erhielten im Jahr 2013 das Bundesverdienstkreuz für ihre Medizingeschichtsforschung.
Dr. Dege hatte sich insbesondere für die Erstellung der Opferdatei für ein Gedenkbuch der ehem. 3. Heil- und Pflegeanstalt Buch engagiert. Zum Internationalen Tag der Opfer des Holocausts und 120 Jahre nach der Eröffnung der Bucher Krankeneinrichtungen war sie eine der Teilnehmerinnen einer Gedenkveranstaltung in der Bucher Akademie der Gesundheit auf dem Hufeland-Campus. Auszubildende hatten die Veranstaltung am 27. Januar organisiert. »Am geschichtsträchtigen Standort wollen wir an die Opfer der NS-Zeit, an die Patientenmorde erinnern«, eröffnete die künftige Ergotherapeutin Valeria Liedtke den Gedenknachmittag. Ziel sei, Erinnerungskultur an der Bildungsstätte fest zu verankern…
Lesen Sie ausführlich in unserer Printausgabe
Buchs bedeutendster Gutspatron
Staatsminister von Viereck ließ von 1731–1736 die Bucher Schlosskirche bauen
In seinen Hausmantel gehüllt und statt der Perücke eine bequeme Pelzmütze auf dem Kopf, so sitzt Adam Otto von Viereck (1684–1758), Gutspatron von Buch, in seinem Arbeitszimmer. Trotz der informellen Kleidung ist er in offizieller Haltung, dekoriert mit Johanniterkreuz und Schwarzem Adlerorden dargestellt. Mit der Linken weist Viereck auf zwei Zeichnungen der Schlosskirche von Buch, die er 1731–1736 nach den Plänen des Baudirektors Friedrich Wilhelm Diterichs (1702-1784) errichten ließ, in der sich auch das schwungvoll gearbeitete Grabmal Vierecks von Bildhauer Johann Georg Glume (1679–1765) befindet. Nach Diterichs Entwürfen für die Kirche fertigte sein Schüler Konrad Wiesend die genauen Ausführungszeichnungen an. Auf dem Gemälde von Matthieu wird Viereck mit den Bauplänen dargestellt, ganz in der Art, wie es für königliche oder fürstliche Bauherren üblich war.
Johann George Ulrici, Chronist der Kirche, sagte mit Recht über sie, sie sei »eine kostbare Kirche, welche an Schönheit und Symmetrie in der ganzen Mark auf dem Lande schwerlich ihres Gleichen haben wird«. Friedrich Nicolai stellt sie in seiner »Beschreibung der königlichen Residenzstätten Berlin und Potsdam« als »eine schöne Kirche« dar und hebt dabei gerade den Turm hervor. Außerdem bemerkt er: »Anbei auch ein schöner Garten«.…
Foto: Sammlung Schuette
Lesen Sie ausführlich in unserer Printausgabe