Geschichte
Wen interessiert schon Karow?
Karow und der falsche Waldemar, eine mittelalterliche Posse in zwei Akten
Im Jahr 1375 wird Karow zum ersten Mal urkundlich erwähnt, im für Geschichtsinteressierte sehr bekannten Landbuch von Karl IV. Da ist allerdings der Ort schon sehr wahrscheinlich über 130 Jahre alt und so ist zu vermuten, dass auch das Dorf nicht unberührt blieb von den politischen Wirren des 14. Jahrhunderts und einer Machtposse, die sich um die Jahre 1348-1350 abspielte.
Lesen Sie meine Posse und ihre historische Erklärung.
Vorspiel
»Waldemar ist da«, so rief der legendäre Reporter Heinz Florian Oertel berauscht ins Mikrofon, als das Unglaubliche passiert war: Waldemar Cierpinski holte zum zweiten Mal olympisches Gold im Marathon-Lauf (1976 und 1980). »Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar! Waldemar ist da!« Was sicherlich dazu geführt hat, dass einige Eltern das umgesetzt haben.
Akt I : Waldemar ist wieder da
»Waldemar ist wieder da«, so ruft im Jahr des Herrn 1348 der Erzbischof Otto von Magdeburg. Aber der Reihe nach. An einem Audienztage des vielbeschäftigten und mächtigen Magdeburger Erzbischofs, den er auf der Burg Wolmirstedt abhielt, wurde demselben ein älterer, grauhaariger Herr in Pilgerkleidung gemeldet, der sich partout nicht abschütteln lassen wollte. So wurde ihm im Vorzimmer bedeutet, er müsse warten. Gegen seinen bekundeten Durst gab man ihm ein Glas sauren Wein, in den er einen Ring warf und bat, das Gefäß dem Herrn Erzbischof zu bringen.
Nach kurzer Zeit reißt der hohe Herr die Tür auf: »So lasset ihn sofort herein.« Der Mann betritt bedächtig und mit einer gewissen Würde den Raum und noch ehe er etwas sagen kann, beugt der Gottesmann sein Haupt und spricht: »Ein Wunder, ein wirkliches Wunder, Ihr seid wieder da. Setzt euch doch, wo wart Ihr die vielen Jahre?«
»Ich war als Pilger im Heiligen Land, um Buße zu tun. Jetzt ist aber wieder die Zeit, um nach Hause in meine Mark Brandenburg zu kommen. Wie ich gehört habe, hat der Teufel Besitz genommen von meinen schönen Landen, in Gestalt von den neuen Herrschern aus Bayern.«
»Ihr habt recht, der Adel marodiert durch Eure Lande, die Städte sind unzufrieden und die Bauern ertragen große Pein. Aber jetzt, lieber Waldemar, ruht Euch doch erst einmal aus, alles Weitere besprechen wir morgen.« »Danke für Eure Gastfreundschaft, mein Freund, ich werde das zu schätzen wissen.«
Der Erzbischof rief seinen engsten Berater: »Habt Ihr den Markgrafen Waldemar auch erkannt?« »Ja, mein Herr, es gibt keinen Zweifel, sein Alter, sein Aussehen, sein Siegelring, und vor allem, er hat die auffällige Gesichtsnarbe. Er war ja als junger Mann einmal unglücklich vom Pferd gefallen.« »Nun, so werden wir es verkünden.« …
Foto: Stadt Wolmirstedt
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