Gesundheit & Forschung

CampusBikeFahrradfreundlicher Arbeitgeber
Der ADFC hat den Campus Buch zertifiziert: EU-Siegel in Silber
Seit 2017 vergibt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) die neue EU-weite Zertifizierung »Fahrradfreundlicher Arbeitgeber«. Nun hat der Campus Berlin-Buch als erster Wissenschafts- und BiotechPark in Deutschland das begehrte Siegel in Silber erhalten.
Sophia-Maria Antonulas, Programmleiterin beim ADFC-Bundesverband, sagte: »Der Campus Berlin-Buch hat den positiven Effekt der Radverkehrsförderung erkannt. Die Fahrradkultur am Arbeitsort vereint gleich mehrere Vorteile: Sie ist modern, zukunftsorientiert und fördert die Mitarbeiterbindung sowie das Teamgefühl«, so Antonulas weiter. Zugleich kann ein Arbeitgeber beim betrieblichen Gesundheits-, Umwelt- und Mobilitätsmanagement punkten, insbesondere wenn er auch Dienstrad-Angebote macht.

Was zeichnet den Campus als fahrradfreundlich aus? Punkte bringt beispielsweise die Teilnahme an Wettbewerben und Kampagnen. … Für die Zertifizierung ist auch eine radfreundliche Infrastruktur entscheidend: Der Campus Buch bietet ausreichend überdachte, beleuchtete und barrierefreie Fahrradparkplätze, die nahe am Eingang der Gebäude liegen. Umkleidemöglichkeiten und Duschen sind ebenfalls positive Merkmale. Im Bereich Service zählen Angebote für die Fahrradreparatur wie die kürzlich eingerichtete Campus-Fahrradwerkstatt (die auch von anderen Radkunden genutzt werden kann), saisonale Fahrrad-Checks oder polizeiliche Fahrradcodierungsaktionen. Beim Parkraummanagement punkten Arbeitgeber wie die Campuseinrichtungen, wenn die Alternativen gegenüber dem Pkw-Parken privilegiert werden, beispielsweise, indem es mehr Stellplätze für Räder als für Autos gibt oder Pkw-Parkplätze kostenpflichtig sind…
Foto: Helios/Thomas Oberländer

Ausführlicher in unserer Printausgabe


Leiter MassregelvollzugTherapie hinter Gittern (1)
Sven Reiners, Leiter der Suchtabteilung des Maßregelvollzugs in Buch, spricht über seine Arbeit
Maßregelvollzug (auch »Forensik«) ist ein Begriff, der verschiedene Assoziationen auslöst: Handelt es sich um ein Gefängnis für psychisch Kranke, sind dort nur Schwerverbrecher und gehen von einer solchen Einrichtung Gefahren aus? Dies sind nur einige der Fragen, die über die Jahre auch den Massregelvollzug»Bucher Boten« erreicht haben. Grund genug, das »Krankenhaus des Maßregelvollzugs Berlin« (KMV) zum Gegenstand der Berichterstattung zu machen. In Buch befindet sich mit der IV. Abteilung des KMV die Entziehungsanstalt. Der gesicherte Gebäudekomplex liegt am Lindenberger Weg 69, die anderen Abteilungen in Berlin-Reinickendorf. Insgesamt stehen dem Maßregelvollzug in Berlin 523 Plätze zur Verfügung. Einschließlich der Patienten, die sich in sog. Lockerungen befinden, hat das KMV 2007 insgesamt 677 Patienten behandelt und dafür Kosten in Höhe von rund 55,5 Milionen Euro verursacht.

BB: Als Psychiater in einer forensischen Psychiatrie arbeiten Sie unter besonderen Umständen und in einer Rolle, die sich von Ärzten in anderen Krankenhäusern unterscheidet. Haben Sie das angestrebt oder hat es sich so ergeben?
Sven Reiners: Ich wollte schon immer Psychiater werden und habe nach dem Studium in Heidelberg und der Tätigkeit in der dortigen psychiatrischen Universitätsklinik hier in Berlin in einer »normalen«, also Allgemein-Psychiatrie angefangen. Danach folgten fünf Berufsjahre in der Neurologie, dem Schwesternfach der Psychiatrie. Währenddessen habe ich mich besonders für die Patienten interessiert, die keine normale biographische Entwicklung genommen haben, die aus ihrer Erkrankung heraus straffällig geworden sind. Die forensische Psychiatrie hat mich deshalb interessiert. Deshalb habe ich den Schritt gewagt und bin in eine forensische Einrichtung gegangen. Im Krankenhaus des Maßregelvollzugs Berlin habe ich gemerkt, wie sehr mich diese spezielle Arbeit ausfüllt.

BB: Was macht das Spezielle aus?
Sven Reiners: Ein Aspekt hängt mit der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer unserer Patienten zusammen, die etwa zwei Jahre beträgt. Daher ist ein langes, kontinuierliches Arbeiten mit den Patienten möglich. Man sieht in diesem langen Verlauf die Entwicklung der Patienten.

BB: Haben Sie auch mal Zweifel an ihrer Tätigkeit, weil sich ihre Patienten hinter Mauern befinden und man sich in dieser Ausnahmesituation anders begegnet und wahrnimmt als unter normalen Krankenhaus-Verhältnissen?
Sven Reiners: Als Arzt habe ich auch eine gesamtgesellschaftliche Funktion, als Psychiater bin ich eben auch verantwortlich für die Sicherheit der Öffentlichkeit. Es ist ein Doppelmandat, das wir für unsere Patienten haben: Besserung und Sicherung. Ich sehe es auch ärztliche Aufgabe, etwas für die Gesellschaft zu tun. Im Übrigen: Diese Mauern und der Zaun fungieren nicht nur als Schutz für die Außenwelt, es ist auch Schutz vor der Außenwelt für unsere Patienten…

Ausführlicher in unserer Printausgabe